Es gibt auch eine große Auswahl an hormonellen Kontrazeptiva. Bei richtiger Anwendung werden sie als die zweitsicherste Methode zur Schwangerschaftsvermeidung angesehen. Verlässlicher ist diesbezüglich nur die Sterilisation des Mannes oder der Frau. Im Gegensatz zu den Barrieremethoden kommen sie nicht unmittelbar vor oder während des Geschlechtsverkehrs zum Einsatz, was von vielen Frauen als Vorteil empfunden wird.
Die Pille ist wohl das bekannteste hormonelle Verhütungsmittel der Welt. Allerdings gibt es auch andere Kontrazeptiva, die Hormone in unterschiedlicher Dosierung enthalten oder freisetzen. Zu diesen gehören Hautpflaster, Vaginalring, IUS (Intrauterin-System), subkutanes Langzeitimplantat und Injektionen.
Um nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr eine Schwangerschaft zu vermeiden oder wenn eine andere Methode der Empfängnisverhütung versagt hat (beispielsweise, weil ein Kondom gerissen ist), gibt es auch noch die „Pille danach”. Sie muss so früh wie möglich nach dem „Ereignis” und innerhalb eines streng begrenzten Zeitraumes eingenommen werden und ist effektiver, wenn bis zur nächsten Menstruation kein ungeschützter Geschlechtsverkehr mehr stattfindet. Diese Methode zur Empfängnisverhütung sollte nur in Ausnahmefällen angewendet werden.
In den meisten Ländern sind hormonelle Kontrazeptiva nur auf ärztliches Rezept erhältlich.
Weltweit setzen mehr als 60 Millionen Frauen die Pille zur Empfängnisverhütung ein. Bei richtiger Einnahme ist sie eines der effektivsten Kontrazeptiva und bietet verlässlichen Schutz vor ungewollten Schwangerschaften. Allerdings ist die Pille, wie auch andere Verhütungsmittel, ein Arzneimittel und nicht völlig frei von Nebenwirkungen. Sie ist somit nicht für alle Frauen geeignet.
Es gibt verschiedene Sorten von Pillen zur Geburtenkontrolle. Die meisten gehören zu den „Kombinationspillen” und enthalten synthetisch hergestellte Varianten der beiden wichtigsten weiblichen Geschlechtshormone Estradiol und Progesteron. Bei täglicher Einnahme können die Hormone in der Kombinationspille den Menstruationszyklus der Frau besonders auf folgende Art und Weise beeinflussen:
Kombinationspillen zur Geburtenkontrolle verhindern mit bis zu 99%-iger Wahrscheinlichkeit eine Schwangerschaft, wenn sie nach Anweisung eingenommen werden.
Darüber hinaus können Verhütungspillen:
Sie können auch das Risiko verringern von:
Die meisten Frauen, die die heute erhältlichen Kombinationspillen einnehmen, klagen über keinerlei Probleme. Allerdings kann die Einnahme in einigen Fällen auch zu Nebenwirkungen führen. Häufige unerwünschte Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Schmierblutungen, Gewichtszunahme und Brustspannen können bei mehr als einer von 100, jedoch bei weniger als einer von 10 Frauen auftreten. In seltenen Fällen, das heißt statistisch gesehen bei mehr als einer von 10.000 aber bei weniger als einer von 1.000 Frauen, kann es zu einem schwerwiegenden Ereignis wie dem Verschluss eines Blutgefäßes durch ein andernorts im Körper gebildetes Gerinnsel (venöse Thrombose/Thromboembolie) kommen.
Diese möglichen Nebenwirkungen sind seit langem bekannt, und viele davon konnten im Laufe der Jahre reduziert werden, indem die Dosierung des Östrogen-Anteils der Pille verringert wurde. Blutgerinnsel sind gefährliche Ereignisse. Sie entstehen meistens in den unteren Gliedmaßen, können aber in seltenen Fällen auch zu einer Lungenembolie führen - einer potenziell lebensgefährlichen Situation, bei der der Blutpfropfen vom Bein in ein Blutgefäß der Lunge wandert und dieses verstopfen kann. Ein solches Ereignis kann durch jedes östrogen-/gestagenhaltige Verhütungsmittel ausgelöst werden, einschließlich der Pille, des Vaginalringes, des Pflasters und einiger Injektionen. Das Risiko eine Blutgerinnselbildung oder Lungenembolie zu erleiden ist bei Frauen, die die Pille einnehmen, höher als bei denjenigen, die sie nicht einnehmen. Es ist allerdings immer noch weit geringer als das Risiko, im Laufe einer Schwangerschaft oder der anschließenden Geburt ein Blutgerinnsel zu entwickeln.
Jüngere Studien zeigen ein relativ geringes statistisches Risiko:
Gerinnsel können sich in venösen und in arteriellen Blutgefäßen bilden. Arterielle Thrombosen sind eine sehr seltene, jedoch auch sehr ernste Nebenwirkung von Verhütungsmitteln auf Östrogen-Gestagen-Basis (Pille, Vaginalring oder Hormonpflaster) und können zu Herzinfarkten oder Schlaganfällen führen. Im Allgemeinen tritt ein solches Ereignis bei jungen Frauen sehr selten auf und betrifft pro Jahr von 10.000 bis 100.000 Frauen nur eine oder zwei. Das Risiko eines Herzinfarktes während der Einnahme von Kombinationspillen ist ungefähr doppelt so hoch wie bei Frauen, die keine hormonellen Verhütungsmittel einnehmen [3,4]. Das Risiko eines Schlaganfalls ist bei Frauen, die rauchen oder an Bluthochdruck leiden, deutlich erhöht. Es ist jedoch nicht bekannt, ob das Schlaganfallsrisiko bei Nichtraucherinnen oder Frauen mit normalem Blutdruck erhöht ist [5]. Die meisten Studien zu niedrigdosierten Kombinationspillen ergaben kein erhöhtes Schlaganfallsrisiko.
Das individuelle Thromboserisiko einer Frau kann durch persönliche Faktoren beeinflusst werden. Dazu gehören eine genetische (ererbte) Thromboseneigung, Übergewicht und höheres Alter. Wenn bei Ihnen einer dieser Risikofaktoren vorliegt, sprechen Sie Ihren Arzt vor der Verschreibung eines Verhütungsmittels darauf an. Reden Sie mit Ihrem Arzt, bevor Sie sich für eine der Verhütungsmethoden entscheiden.
[1] Dinger et al., in: Contraception, 2007; 75: 344-354
[2] Heit, in: Annals of Internal Medicine, 2005; 143: 749-750
[3] Tanis et al, in: N Engl J Med. 2002; 346:1826-1829
[4] Khader et al., in: Contraception, 2003; 68(1): 11-17
[5] Chan et al. in: Arch Intern Med, 2004 ;164: 741-747