Seit vielen Jahrhunderten ist es auf der ganzen Welt für Frauen und ihre Familien wichtig, dass ungewollte Schwangerschaften vermieden werden. Schon im Altertum haben Frauen und Männer versucht, den Zeitpunkt und die Anzahl von Geburten zu bestimmen und dazu Methoden angewandt, die wir heute „Empfängnisverhütung“ oder „Geburtenkontrolle” nennen.
Tatsächlich haben Wissenschaftler über 2000 Jahre alte Belege dafür gefunden, dass Frauen durch den Verzehr bestimmter Pflanzenextrakte ungewollte Schwangerschaften zu verhindern suchten. Auch der Papyrus Ebers, das älteste erhaltene medizinische Dokument der Welt (1550 v. Chr.), gibt Anleitungen zur Herstellung von empfängnisverhütenden Tampons.
Offensichtlich war der Bedarf nach Verhütungsmitteln also schon immer groß.
Noch bis in die jüngere Zeit war die weibliche Sexualität beinahe untrennbar mit der Fortpflanzung verbunden. Es standen sehr wenige Verhütungsmethoden zur Verfügung, die Frauen eine Entscheidung darüber ermöglichten, ob und wann sie schwanger werden wollten. Darüber hinaus waren die vorhandenen Möglichkeiten zumeist wenig verlässlich, gefährlich oder mit Unannehmlichkeiten verbunden - und konnten sich dadurch nicht durchsetzen. Mit der Entwicklung der oralen Kontrazeptiva auf Hormonbasis („die Pille") in den frühen sechziger Jahren stand den Frauen endlich eine praktische und verlässliche Verhütungsmethode zur Verfügung, die eine weit verbreitete Akzeptanz fand.
Dank der modernen Empfängnisverhütungsmittel, einschließlich der Pille, hatten Frauen nun eine größere Kontrolle über ihre Fruchtbarkeit und ihre Zukunftsplanung. Frauen mussten sich nicht länger zwischen Familie, Ausbildung und Karriere entscheiden. Die Pille verhalf Frauen zu mehr Freiheit, Gleichstellung und Spontaneität sowie zu größeren Möglichkeiten und Karrierechancen, und zu einer Sexualität ohne die Angst vor einer ungewollten Schwangerschaft.
Als eine der wichtigsten pharmazeutischen Entwicklungen des 20. Jahrhunderts hat die Pille die Rolle der Frau in der Partnerschaft, in der Familie und in der Gesellschaft grundlegend verändert.
Seit den sechziger Jahren hat die weitverbreitete Einnahme von Verhütungsmitteln - insbesondere der Pille - auch einen sehr großen Einfluss auf die Familienplanung und die Geburtenrate.
In der Mitte des 19. Jahrhunderts gebar eine verheiratete Frau im Durchschnitt 6 Kinder. Der weltweiten Geburtenstatistik der Vereinten Nationen aus dem Jahr 2005 zufolge bekommen Frauen heute 2,6 Kinder. In den hochentwickelten Ländern haben Frauen heute durchschnittlich 1,6 Kinder.